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Reiseberichte über Flüge unserer Clubpiloten



mit der Cessna: Flieg' doch mal rüber ....

 

Aus Nordbayerischer Kurier vom 24./25.07.2010
Von Elmar Schatz, RNT

Nach Tschechien jetzt ohne bürokratische Hürden - Von Bindlach nach Cheb in 22 Minuten



Das war vor kurzem noch unmöglich: Ein kurzer (Aus-)Flug ins benachbarte Tschechien ohne Flugplan. Vier Männer steigen am Bindlacher Berg nahe Bayreuth in die 30 Jahre alte Cessna 172 der Luftsportgemeinschaft Bayreuth, starten und setzen 22 Minuten später auf dem Flugplatz in Cheb (Eger) auf. Mal eben rüber und wieder zurück - kein Problem. Seit einem Jahr darf die Staatsgrenze, die früher der undurchdringliche Eiserne Vorhang war, im Sportflugzeug überquert werden.
Am Steuerknüppel sitzt Dieter Gerlach, Vorsitzender der Motorsportgruppe der Luftsportgemeinschaft Bayreuth. Vorne neben ihm Daniel Große Verspohl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Luftsportgemeinschaft. Auf den schmalen Rücksitzen kauern Lotar Wagner, Sportgruppenvorsitzender der Segelflieger der Luftsportgemeinschaft, sowie der Reporter. Wir wollen Flieger in Cheb treffen, um auszuloten, ob eine oberfränkisch-tschechische Freundschaft von Segelflugsportlern zustande kommen kann. Der Flugplatz in Cheb soll im August seine volle Zulassung erhalten.
"Wie schee des do unt'n ausschaut" freut sich der Pilot; und auch seine drei Passagiere sind glücklich. An diesem heißen, leicht gewittrigen Sommertag lassen wir Wunsiedel, die Luisenburg und die Kösseine hinter uns und suchen Kontakt zu "Cheb Info". Pause nach dem ersten Funkversuch. Keiner zu Hause? Unter uns liegt schon der Egerer Stadtwald. "Do hint'n kummt a See" In der Nähe soll die Landepiste sein. "Cheb Info" meldet sich plötzlich und weist uns an, die Landebahn 24 rechts zu nehmen.
"Der spricht perfekt Deutsch" freuen wir uns. Denn bei der Abreise hatten wir uns Gedanken gemacht, wie die Verständigung klappen würde. In der Fliegersprache Englisch? Ein Tschechisch-Wörterbuch hat Lotar Wagner dabei, der einige Sätze in der Sprache des Nachbarlandes eingeübt hat. Aber nun dürfen wir uns ganz mühelos unserer Muttersprache bedienen.
"Die Füß' hamma drauß'n" bemerkt der Pilot. Die Räder des Sportflugzeuges werden gleich die Graspiste berühren. Obwohl Cheb als ehemaliger Militärflugplatz eine Beton-Landebahn besitzt, darf die Maschine darauf nicht aufsetzen; denn diese gehört noch immer der Luftwaffe. Die Betonplatten zerbröseln längst, eine Landung darauf wäre wohl gar nicht ratsam. So rollt die Cessna auf der Wiese aus, überquert dann doch kurz die Betonplatten, um zur Luftaufsichtsbaracke zu gelangen.

Freundlich begrüßt uns Ludek Matejicek, unser exakt deutsch sprechender Lotse. Und ein weiterer Herr gesellt sich zu uns: Josef Pisl. Der 78-jährige hat, wie er erzählt, 1969 eine Notlandung in Bayreuth gemacht, direkt neben einem Militärfahrzeug. 1982 war er zuletzt in Bayreuth, auf Dienstreise, wie er sagt. Er fragt nach "Hilde" und "Karl". Hilde Vengels war Wirtin des Bindlacher Flugplatzrestaurants und Karl Schmitt saß dort im Tower. Josef Pisl, der leidenschaftliche Flieger mit 2400 Flugstunden, früher Ingenieur und Statiker, jetzt Pensionist, gibt Grüße an "Hilde" mit.
Wir werden eingeladen, Platz zu nehmen. Kaffee wird uns angeboten und ein junger Herr bringt Marmorkuchen, für jeden von uns drei Stück auf dem Teller. Die Gespräche verlaufen, wie unter Fliegern üblich, direkt und schnörkellos. Der Kontakt soll zügig fortgeführt werden.
Mit reichen Eindrücken fliegen wir zurück nach Bayreuth, unter uns die herrliche Landschaft mit Wäldern, Feldern und Seen. Bei kräftigem Seitenwindsetzen wir wohlbehalten in Bindlach wieder auf. Ein schöner Nachmittagsausflug geht zu Ende.