Veranstaltungen

Bilder

Reiseberichte

 
 

Reiseberichte über Flüge unserer Clubpiloten



mit der Cessna: Einmal nach Polen ....

 

Aus Nordbayerischer Kurier vom 18./19.12.2004
Von Gero von Billerbeck, RNT

Wovon Geschäftsleute träumen: Tagesreise in drei Stunden

Vor dem Start auf dem Bindlacher Berg: Die vollgetankte Cessna mit den Piloten (von links) Martin Fendt und Wolf-Dieter Hohe sowie den Fluggästen Anne-Marie und Gero v. Billerbeck

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, unter den Wolken kommt erstmal die Polizei. Ausweise kontrollieren. Zwar wollen wir in ein EU-Land fliegen, aber Polen gehört erst seit einigen Monaten zum Club der Auserwählten. Das Schengener Abkommen gilt noch nicht für den neuen Partner. Der Abfangjäger, der so scheinbar bedrohlich am Rande des Rollfeldes auf dem Bindlacher Berg bei Bayreuth steht, kann am Boden bleiben, wenn wir aufgestiegen sind. Die Ausweise sind o. k., bestätigen die netten, aber korrekten Beamten nach einigen Minuten der Klausur im Streifenwagen.
Wir - das sind Wolf-Dieter Hohe und Martin Fendt von der Luftsportgemeinschaft Bayreuth (LSG) und RNT-Redakteur Gero v. Billerbeck mit Frau Anne-Marie. Zwei Piloten sind reichlich "Personal" für einen Zeitungsmann samt Anhang, dem die Luftsportler etwas beweisen wollen: Erstens hat die Luft doch Balken, einem anders lautenden Sprichwort zuwider, und zweitens ist die Freiheit, die einem die Fliegerei beschert, wenn nicht grenzenlos, so doch überaus praktisch. Nur drei Stunden braucht es von Oberfranken in das gut 700 Kilometer entfernte Danzig, das per Auto, Bus oder Bahn kaum an einem reichlich bemessenen Reisetag zu erreichen ist.
Verbrauch wie großer Pkw
Das ist Traumzeit für Geschäftsleute, die mal eben von x nach y müssen, um eine Unterschrift zu leisten oder Verhandlungen zu führen. Die Leihgebühr für die Vereinsmaschine (120 Euro pro Flugstunde) amortisiert sich da schnell, auch wenn noch Start- und Landegebühren ( 20 bis 70 Euro) dazu kommen. Die zwölf Liter Benzin pro 100 Kilometer würde annähernd auch der Geschäftswagen schlucken.
Heute, an diesen sonnigen Spätherbst-Samstag, dürfte es sogar noch billiger gewesen sein. Der mäßige Westwind, der uns einen Weststart und somit eine kleine Schleife über Bayreuth beschert, frischt in höheren Lagen zu einem ansehnlichen Rückenwind auf. Das ergibt ein kostenloses Zusatztempo von gut 50 km/h - in der christlichen Luftfahrt, wo man nur englische Meilen kennt, sind es 27 Knoten (Umrechnungsfaktor zu km/h: 1,8).
Von Radar überwacht
Aber erstmal heißt es aufsteigen. Zweieinhalb Meter pro Sekunde gewinnt die Cessna mit ihrer 180-PS Maschine an Höhe. Dabei ist sie bereits rund 160 km/h schnell. Ein Fahrtwindmesser zeigt uns die relative, das elektronische Navigationssystem die tatsächliche Fluggeschwindigkeit (im Verhältnis zum Boden) an.
Bereits bevor wir Gefrees erreichen, durchqueren wir die zum Glück spärliche Wolkendecke. Die Flugneulinge freuen sich unbändig an der unter ihnen ausgebreiteten, sonnenbeschienenen Fichtelgebirgs-Landkarte, außerdem bestaunen sie die beiden Piloten. Während Martin Fendt die Maschine steuert, kümmert sich Wolf-Dieter Hohe um den richtigen Kurs und meldet uns per Funk bei der zuständigen Berliner Radarüberwachung an.
Beide freuen sich ihrerseits darüber, dass sie sich eine Arbeit teilen dürfen, die sie im Alleinflug solo bewältigen müssten. Die Flugvorbereitung - eine wichtige Investition in die Sicherheit - hat Hohe übernommen. Etwa drei Stunden sind nötig, um so einen Auslandsflug zu planen und den Plan den zuständigen Flugsicherungsstellen zu übermitteln. Wir fliegen ja nicht im luftleeren Raum, sondern sind als Teil eines überwachten Luftraums ständig als Pünktchen auf irgend-einem Radarschirm zu sehen. Sollte sich ein "Flugobjekt" uns allzu sehr nähern, würde dieses - oder unser Flugzeug - per Funk in einen anderen Kurs dirigiert.
Bald überqueren wir Sachsen. Da haben wir schon längst unsere endgültige Flughöhe von rund 2500 Metern (in der Fliegersprache sind das 7500 Fuß) erreicht.
Der Höhenmesser zeigt sie akkurat an. Genau genommen misst er nur den Luftdruck, der bekanntlich bei steigender Höhe abnimmt. Bei rund 1500 Meter Höhe wird er auf einen von der Flugsicherung festgelegten Standard-Luftdruck eingestellt. Das hat zur Folge, dass die angezeigte Flughöhe zwar nicht metergenau stimmt, die Höhenabstände der Flugzeuge untereinander aber exakt eingehalten werden.
Dem Rückenwind verdanken wir eine komfortable Reisegeschwindigkeit von über 300 Kilometer pro Stunde. An der langsam unter uns vorbei ziehenden Landschaft lässt sich unser Tempo nicht ablesen. Allzu ausführlich präsentiert sich das ganze Ausmaß der Landschafts-zerstörung, die der Braunkohle-Abbau in der Lausitz hinterlassen hat. Vereinzelt sind zwar, wo eine Rekultivierung eingeleitet wurde, ansehnliche Seen zurückgeblieben, meist aber erinnern die großflächig ausgebaggerten Flächen an Nahaufnahmen von der Mondoberfläche.
Schönheit bis zum Ziel
Schon überqueren wir die Oder und erreichen die malerische pommersche Schweiz, wo die Seen nicht mehr rechtwinklig ausgebaggert sind, sondern in wunderschönen Zufallsformen in die eiszeitliche Moränenlandschaft eingestreut liegen. Solche Schönheiten begleiten uns bis zum Ziel.
Wir werden es bald erreicht haben, denn mit eineinhalb Metern pro Sekunde geht es bereits "bergab". Der Motor braucht sich jetzt nicht mehr so anzustrengen, um die Reisegeschwindig-keit von 310 "Sachen" zu halten.
Erst kurz vor der Landung verringert sich das Tempo. Mit vergleichsweise gemächlichen, aber in Bodennähe wieder ein mulmiges Gefühl erzeugenden 120 Kilometern pro Stunde setzt Martin Fendt die Maschine trotz erheblichen Seitenwinds (etwa 30 km/h) sicher auf der Danziger Landebahn auf.

. . . und über Berlin zurück nach Bayreuth

Ein Nachtflug - und warum man "Luftlöcher" nicht zunähen kann

Der Rückflug am Sonntag beweist zweierlei in Sachen Mobilität. Erstens: Man kann spontan Umwege machen. Aber zweitens: Nicht nur man selber handelt spontan, sondern auch das Wetter. Der Wetterbericht ist zumindest durchwachsen: In der ersten halben Stunde erwartet uns eine geschlossene, niedrige Wolkendecke, die unsere Flughöhe auf 400 Meter beschränken wird.
Also lieber keinen Umweg über die Ostseebäder, wie es eigentlich geplant war. Für einen Abstecher langt es trotzdem, für eine Zwischenlandung auf dem geschichtsträchtigen Luftbrücken-Flughafen Berlin-Tempelhof.
Der heutige Pilot Wolf-Dieter Hohe ist - außer unserem allgemeinen Bedürfnis nach einem Stadtbummel in Berlin-Mitte - auch Idealist. Der Flugplatz Tempelhof soll im Interesse von Baulöwen zugemacht werden, obwohl er nur wenige U-Bahn-Stationen vom neuen Regierungsviertel entfernt ist. Vielleicht wird er's nicht, wenn möglichst viele Privatflieger ihn Gewinn bringend nutzen.
An diesem windigen Tag ist der Weg nach Berlin mit dem gepflastert, was Flugunkundige als "Luftlöcher" bezeichnen. Aber was uns gleich nach dem Start einen Moment lang unter die Tragflächen greift, um sie im nächsten nach unten zu drücken, das sind keine luftleeren Räume, sondern Turbulenzen: Heftige Steigwinde wechseln sich mit Fallböen ab.
Der Bordapotheker
Ein unschlüssiger Fahrstuhl ist nichts dagegen. Einem der Fluggäste wird so mulmig, dass die Crew ihn dezent auf die kleinen Tüten in der winzigen Gepäckablage hinweist. Martin Fendt ist aber hauptberuflich Apotheker und kann mit Tabletten Schlimmeres verhüten. Außerdem können wir bald in ruhigere Höhen ohne "Löcher" aufsteigen.
Der fünfstündige Berlin-Aufenthalt dient einem weiteren Zweck, denn die beiden LSG-Mitglieder wollen etwas demonstrieren: Dass man mit Zusatz-Ausbildung auch nachts fliegen kann und darf. Noch starten wir freilich in Tempelhof bei guter Abendsicht. Nur die Sonne, die sich eine Viertelstunde vorher verabschiedet hat, ist auch 3000 Meter höher nicht mehr hinter dem Horizont zu entdecken. Uns ist, versichern die Piloten, ein wunderbares Naturschauspiel entgangen.
Wir trösten uns damit, dass wir dafür beim Nachtflug mehr Nacht erleben. Viel ist es sowieso nicht, denn von Tempelhof nach Bindlach sind es eineinhalb Flugstunden. Der oben erwähnte Horizont liefert die Erklärung für eine Frage, die sich dem Laien zwangsläufig stellt: Was ist der Unterschied zwischen dem uns verbotenen Blindflug und dem erlaubten Nachtflug? Blindflug orientiert sich ausschließlich an den Instrumenten im Cockpit; Nacht-Sichtflug zusätzlich am Horizont.
Wolf-Dieter Hohe fliegt offensichtlich nicht der fast unsichtbaren Trennungslinie zwischen Himmel und Erde nach, sondern richtet sich nach den Höhenvorgaben der Flugsicherung und der jeweiligen Position, die sich aus dem Winkel zum nächsten Funkfeuer ergibt. Souverän erklärt Fendt, dass die Lichter rechts unter uns zu Leipzig gehören. Als würden wir persönlich willkommen geheißen, brennt die Stadt unter uns gerade ein Feuerwerk ab.
Lichtermeer
Überhaupt: die Lichter! Sie bilden ein ganzes Meer - ein wunderschönes Bild. Der Blick drängt nur die bange Frage auf: Ist Deutschland, und gar das noch relativ dünn besiedelte Mitteldeutschland, bereits eine einzige Großstadt? Wir erleben jedenfalls keinen Augenblick, in dem unter uns nicht irgendwelche Lichter von Bebauung zeugen.
Aber es gibt auch noch natürliche Beleuchtung: Die helle Scheibe, die sich kurz zuvor links in einem Gewässer gespiegelt hatte, war der Mond gewesen, und man musste kein gelernter Himmelsstürmer sein, um in dem Gewässer die Elbe zu vermuten.
Auch auf dem weiteren Weg leuchtet uns der Mond, ohne sich allerdings persönlich zu zeigen. Der breite Flügel über uns, der uns so sicher durch die Nacht trägt, verdeckt den Trabanten.
Aber nicht mehr für lange: Hof winkt schon, zunächst als Funkkontakt zum Tower. Bald können wir zurückwinken. Fendt schaltet zum Gruß an den dortigen "Controller", den er mit vertrautem "Hallo Hans" sozusagen ins Cockpit bittet, die Landescheinwerfer ein.
Es lohnt kaum, sie wieder auszuknipsen, denn keine zehn Minuten später taucht Bayreuth auf. Kurzes Hallo an Irmgard vom Tower, die uns zuliebe noch eine Platzrunde genehmigt, bevor Hohe die Maschine aufsetzt. Die (oberfränkische) Erde hat uns wieder.

An der Mottlau in Danzig. Am rechten Ufer hinten ist das berühmte Krantor zu sehen, links ein Gebäude der Danziger Werft.

 

Ein Muster an Wiederaufbauleistung

Die frühere westpreußische Hansestadt Danzig erstrahlt im alten Vorkriegs-Glanz

Danzigs internationaler Flughafen liegt ein Stückchen außerhalb der Altstadt. Es gibt gute Busverbindungen, aber auch Taxis sind - zumal für mehrere Reisende - gut erschwinglich. Man sollte freilich den Fahrpreis schon vor Fahrtantritt aushandeln, um böse Überraschungen auszuschließen.
Um sich weitere Fahrten zu ersparen, empfiehlt sich für die Kurzvisite ein Hotel in Altstadtnähe, etwa das fünf Minuten vom Markt entfernte Novotel.
Hier am Langen Markt, der Guten Stube, erstrahlen die prachtvollsten Häuser der Hansestadt wieder im alten Glanz, etwa das Rechtstädtische Rathaus und der Artushof, in dem die Patrizier sich gern zur illustren "Artusrunde" versammelten, sowie das Goldene Haus mit seinen zahllosen vergoldeten Plastiken und Reliefs an der Fassade.
Folgen der Fenstersteuer
Der Marktplatz setzt sich in der fast einen Kilometer messenden Langgasse fort, heute die noble und autofreie Restaurant- und Einkaufsmeile. An etlichen verschwenderisch bis protzig gestalteten Fassaden fallen architektonisch angedeutete, aber nur aufgemalte falsche Fenster auf -Folge einer längst vergangenen Steuergesetzgebung. Fläche und Anzahl der Fenster, des sichtbarsten Ausdrucks von Wohlstand, waren steuerpflichtig. Auch aus diesem Grund verbergen sich hinter den ansehnlichen Fronten und den anschließenden Prunkräumen fensterlose Wohn- und Lagerräume.
Abseits der alten Hauptstraße liegen Wohnbereiche, die nicht zuletzt durch auffallend weitläufige Terrassen so großzügig wirken. Darunter liegen Keller und ihre Eingänge; die in den Wohnbereich führenden Freitreppen zeugen vom Reichtum ihrer Erbauer.
Caféterias und Restaurants auf den Terrassen sind ein liebenswerter Beleg für die polnische Vorliebe, urbanes Leben im Freien stattfinden zu lassen.
Ähnliches Leben findet sich auch am Ufer der Mottlau. Früher war dies der stadtnahe und wichtigste Umschlagplatz der Handelsmetropole. Ehrwürdiges technisches Denkmal dieses alten Hafens ist das berühmte Krantor, wo in einer Art "Hamstertrommel" die Kraft für die mächtige Seilwinde erzeugt wurde. Heute nutzen hier Geschäfte und Freiluft-Gastronomie die schöne Promenaden-Atmosphäre, die nur von Kriegsruinen am gegenüberliegenden Ufer noch ein wenig getrübt ist.