Siegfried Schubert mit 76 Jahren auf Flugrallye nach Afrika - 12000
km in 20 Tagen
(von Werner Seelbinder, Nordbayerischer Kurier vom 21.10.2004)
Das macht ihm so schnell keiner nach, vor allem nicht in diesem Alter:
Siegfried Schubert, seit zwei Jahren Vorsitzender der Luftsportgemeinschaft,
hat mit Erfolg bei der schwierigsten Flugrallye der Welt teilgenommen:
der 22. Rallye Aerien Toulouse-Saint Louis du Senegal-Toulouse. Immerhin
9800 Kilometer und plus Anflug aus Bindlach fast 12000 Kilometer.
Und Schubert ist bereits 76 und ein halbes Jahr alt.
Zu zweit ging es mit Dieter Gerlach (56) als Copilot von Bindlach
mit der einmotorigen Vereinsmaschine Cessna 172 RG in Richtung Toulouse
ab, dem eigentlichen Startort.
Seit drei Jahren hat sich Schubert um diese Rallye gekümmert;
zuerst war die Maschine nicht so richtig ausgestattet, um einen solchen
Flug überhaupt zu überstehen. Im zweiten Jahr hatte er die
Anmeldefristen verschwitzt. Aber aller guten Dinge sind bekanntlich
drei, und deshalb hatte es jetzt im dritten Jahr geklappt - zumal
er sich schon ein Jahr vorher angemeldet hatte. Voraussetzung für
die Teilnahme an diesem Wettbewerb: mindestens 250 Flugstunden.
Kein Problem für Siegfried Schubert - er hat seit 1966 den Flugschein.
Nun, für diesen Wettbewerb musste die Maschine nicht mehr umgebaut
werden - sie erfüllte alle Voraussetzungen für diesen langen
Flug. Und Siegfried Schubert ist richtig stolz auf sie: "Sie
ist gelaufen wie eine Nähmaschine oder ein schnurrendes Kätzchen."
Es hatte keinerlei Schwierigkeiten gegeben.
52 Flugstunden
Immerhin waren 52 Flugstunden zu bewältigen. Sieben Liter Öl
wurden auf der Strecke verbraucht und 2,3 Tonnen Benzin. Der Flug
nach Toulouse hätte fünfeinhalb Stunden gedauert. Aber es
wurde lieber ein Zwischenstopp in der Burgundischen Pforte eingelegt.
Schubert: "Wären wir auf Risiko geflogen, hätten wir
es nonstopp geschafft. Aber ich habe lieber immer etwas Benzinreserven
dabei."
In Toulouse hatten sich 25 Maschinen für die Rallye eingefunden.
Die 65 Teilnehmer, zum Teil in viersitzigen Maschinen, waren meist
Franzosen. Neben den beiden Bayreuthern gab es sonst nur noch zwei
Griechen: "Und die haben sogar die Rallye gewonnen", lacht
Schubert.
Die ganze Veranstaltung hatte auch noch einen karitativen Nebenaspekt,
denn allen Teilnehmern wurden Pakete mit Medizin für afrikanische
Hospitäler mitgegeben. Das Team Schubert/Gerlach hatte zehn Kilo
Medikamente an Bord.
Insgesamt werden es an die 50 Kilo gewesen sein, dazu kamen noch weitere
zahlreiche Geldspenden. "Die Franzosen halten immer noch einen
guten Kontakt zu ihren ehemaligen Kolonien."
Es war kein Vergnügungsflug, sondern eben eine Rallye. Und eine
ganz schön anspruchsvolle. Vom Schwierigkeitsgrad her gesehen
könnte man sie mit der berühmten Rallye Paris-Dakar vergleichen.
Und deshalb mussten die Teilnehmer auf der Strecke viele Aufgaben
bewältigen - es galt, bestimmte Sachen, Orte in bestimmten Zeiten
aufzufinden oder Sachfragen zu beantworten.
Besondere
Vorkommnisse, Überraschungen, Schwierigkeiten etwa oder gar Gefahrensituationen?
Da schüttelt Siegfried Schubert den Kopf. "Überhaupt
nicht. Ich habe den Flug ja lange genug vorbereitet." Aber dann
trotzdem eine Besonderheit, die nicht jeden Tag vorkommt. "In
Rabat mussten wir eine halbe Stunde Verspätung in Kauf nehmen:
Wir konnten nicht landen, weil gerade der belgische König Albert
dort zur Landung ansetzte."
Und noch am Rande: In Mauretanien war das Benzin recht knapp, "und
dazwischen sind wir mal in einen Heuschreckenschwarm geraten: Die
Scheiben und die Öffnungen waren zwar verklebt, aber trotzdem
weiter kein großes Problem".
Große Herzlichkeit
Siegfried Schubert denkt noch mal nach: "Etwas Faszinierendes
gab es doch. Überall, wo wir in Afrika gelandet sind, gab es
eine solch herzliche Begrüßung, die ganz einfach überwältigend
war; von Deutschland bin ich so etwas nicht gewohnt".
Nach 20 Tagen ist das Bindlacher Team wieder in der Heimat angekommen.
Zwar denkt Schubert schon wieder über den nächsten Wettbewerb
nach, doch jetzt steht erst einmal Lernen auf dem Stundenplan. Und
Letzteres ist wörtlich zu nehmen, denn Siegfried Schubert studiert
seit 1992 an der Uni Bayreuth Neueste und Afrikanische Geschichte,
dazu Soziologie. Der Abschluß steht jetzt vor der Tür.
Aber trotzdem bekommt er das Fliegen nicht ganz aus dem Kopf.
Den Diplomingenieur, der früher Kraftwerke in Afrika und auf
Kuba gebaut hatte, zieht es nämlich immer wieder auf den afrikanischen
Kontinent. Vielleicht eine Flugrallye nach Ägypten, sinniert
er. Aber so hervorragend organisiert wie Toulouse-Saint Louis-Toulouse
werde es wohl bei keiner Veranstaltung sein. Da ist er sicher.